Johanniskraut
Johanniskraut wächst überall in Europa und den Vereinigten
Staaten. In der europäischen Volksmedizin ist es schon seit
langem als Hilfsmittel bei Nieren- und Lungenerkrankungen,
aber auch bei Depressionen bekannt.
Zu den Hauptwirkstoffen im Johanniskraut zählen das
Hypericin, verschiedene Flavonoide und das sogenannte
Hyperforin. (1) Flavonoide gehören zu den sekundären
Pflanzenstoffen und haben in verschiedenen Studien bereits
gesundheitlich positive Eigenschaften gezeigt. So werden sie
auch als Antioxidantien bezeichnet, da sie in der Lage sind,
freie Radikale, also Stoffe, die durch Stress und falsche
Ernährung gebildet werden und Zellen schädigen, unschädlich
zu machen.
Aufgrund von älteren Studienergebnissen ging man bisher
davon aus, dass die antidepressive Wirkung des Johanniskraut
auf dem Hypericin und der Hemmung des Enzyms
Monoamin-Oxidase, ein Enzym, das Neurotransmitter abbaut,
beruht (2). Durch den Abbau von Neurotransmittern, wie
beispielsweise Serotonin, kommt es zu einem erniedrigten
Serotonin-Spiegel, der als Ursache für Depressionen gilt.
Heute zeigen neuere Studienergebnisse, dass diese Wirkung
eher auf dem Hyperforin und den enthaltenen Flavonoiden
beruht.(3)
Verschiedene weitere Studienergebnisse deuten darauf hin,
dass Johanniskrautextrakt seine antidepressive Wirkung durch
eine Hemmung der Wiederaufnahme der Neurotransmitter (=
Botenstoffe im Gehirn, die dem Informationsaustausch
zwischen den einzelnen Nervenzellen dienen) Serotonin,
Norepinephrin und Dopamin bewirkt.(4) Bei Depressionen liegt
ein zu niedriger Serotonin-Spiegel vor. Das Hyperforin aus
dem Johanniskraut-Extrakt kann die Wiederaufnahme des
Serotonins an die entsprechenden Rezeptoren hemmen und so
für einen erhöhten Serotonin-Spiegel sorgen. (5)
In Studien im Biozentrum der Universität Frankfurt konnte
gezeigt werden, dass Hyperforin-haltiger
Johanniskraut-Extrakt die Lern- und Merkfähigkeit erhöht.
Außerdem soll Johanniskraut-Extrakt auch neben einer
antidepressiven Wirkung gegen Angstzustände und Alzheimer
Demenz hilfreich sein. (6)
Saisonale Verlaufsform der Depression
(Herbst-Winter-Depression)
In zwei Pilotstudien ist die Wirksamkeit von
Johanniskraut-Extrakten bei saisonal verlaufender Depression
untersucht worden, wobei beide Studien nicht
Placebokontrolliert waren. In beiden Studien erhielt ein
Teil der Patienten zusätzlich eine Lichttherapie. Die
verwendeten Hypericum-Extrakte verminderten die depressive
Symptomatik unabhängig davon, ob die Patienten zusätzlich
eine Lichttherapie erhalten hatten oder nicht.
Zwangsstörungen
In einer offenen, unkontrollierten Pilotstudie erhielten
zwölf Patienten mit einer mindestens seit einem Jahr
bestehenden Zwangsstörung zwölf Wochen lang ein
Hypericum-Extrakt. Am Ende der Behandlungsperiode waren
Besserungen in einer Zwangsskala zu verzeichnen.
Angststörungen
Zur Wirksamkeit von Hypericum-Extrakten bei Angststörungen
hat es vielversprechende Daten von Ratten gegeben. So waren
positive Effekte von Johanniskraut auf die lokomotorische
Aktivität von Ratten im offenen Feld und im
Licht-Dunkel-Test nachweisbar.
Chronisches Müdigkeitssyndrom
In einer unkontrollierten Studie bei 20 Patienten mit
chronischem Müdigkeitssyndrom nahmen im Verlauf einer
sechswöchigen Therapie mit einem Johanniskraut-Extrakt die
subjektiv wahrgenommene Müdigkeit sowie die depressiven und
ängstlichen Symptome ab.
Prämenstruelles Syndrom
In einer Untersuchung bei 19 Frauen mit prämenstruellem
Syndrom besserten sich die Beschwerden nach Einnahme von
Hypericum-Extrakt.
Menopausale Beschwerden
179 Frauen mit psychovegetativen Symptomen bei menopausalen
Beschwerden wurden in einer randomisierten, doppelblinden,
Placebokontrollierten Studie untersucht. Nach sechswöchiger
Behandlung war eine signifikante Überlegenheit des
Johanniskrautpräparates im Vergleich zu Placebo nachweisbar.
In zwei anderen, allerdings unkontrollierten Studien wurden
positive Effekte des jeweils verwendeten Hypericum-Extrakts
bei Patientinnen mit psychovegetativen Störungen und
menopausalen Beschwerden psychogenen Ursprungs beschrieben.
Ausdauerleistung
72 Langstreckenläufer und Triathleten erhielten in einer
randomisierten Doppelblindstudie für sechs Wochen entweder
Placebo, Vitamin E allein oder eine Kombination aus Vitamin
E und einem Hypericum-Extrakt. Bei den Sportlern, die
Johanniskraut und Vitamin E in Kombination erhalten hatten,
war eine signifikant höhere Verbesserung der
Ausdauerleistung in dem Beobachtungszeitraum nachweisbar.
Antivirale Aktivität
Es gibt Berichte über eine antivirale Aktivität von
Johanniskraut-Präparaten bei Patienten mit HIV-Infektion und
Hepatitis C. In einigen unkontrollierten Studien waren bei
HIV-positiven Patienten, die Hypericum-Extrakt erhalten
hatten, günstige Effekte auf klinische und immunologische
Parameter, einschließlich eines Anstiegs der
CD4-Helferzellen, zu beobachten.
Zu beachten ist, dass die antidepressive Wirkung des
Johanniskraut-Extraktes erst zwei bis drei Wochen nach
Beginn der Therapie einsetzt.
Johanniskraut hatte keine negativen Auswirkungen auf
Laborwerte, Blutdruck, Herzfrequenz und EKG, ebenso ergaben
sich keine Hinweise auf eine Gewichtszunahme der damit
behandelten Patienten.
Quellen:
(1) Gruenwald, J.: Standardized St. John´s wort clinical
monograph. Quart Rev Nat Med 1997; Winter: p. 289-99.
(2) Suzuki, O.; et al.: Inhibition of monoamine oxidase by
hypericin. Planta Med, 1984; (50): p. 272-4.
(3) Calapai, G.; et al.: Effects of Hypericum perforatum on
levels of 5-hydroxytryptamine, noradrenaline and dopamine in
the cortex, diencephalon and brainstem of the rat. J Pharm
Pharmacol, 1999; (51): p. 723-8.
(4) Müller, WE.; et al.: Effects of hypericum extract (LI
160) in biochemical models of antidepressant activity.
Pharmacopsychiatry, 1997; (30) (suppl.); p. 102-7.
(5) Müller, WE.; et al.: Hyperforin represents the
neurotransmitter reuptake inhibiting constituent of
hypericum extract. Pharmacopsychiatry, 1998; (31) (suppl.):
p. 16-21.
(6) Anonym: Hyperforin im Johanniskraut stärkt Lernleistung.
In: Ärzte Zeitung, 04.04.2002
Diese Information basiert auf verschiedenen
Veröffentlichungen. Für die Richtigkeit der Aussagen
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werden. Falls Sie Medikamente einnehmen oder in ärztlicher
Behandlung sind, sollten Sie vor der Einnahme jeglicher
Nahrungsergänzungsmittel Ihren Arzt zu Rate ziehen.
Die Anwendung von Nahrungsergänzungsmitteln bei Kindern
sollte in jedem Fall mit dem behandelnden Arzt abgestimmt
wer, da die meisten Studien mit Erwachsenen durchgeführt
werden und Verzehrsempfehlungen für Kinder sowie eventuelle
Nebenwirkungen nicht bekannt sind. |
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