Folsäure
Die Folsäure gehört zur Gruppe der B-Vitamine. Seinen
Namen bekam das Vitamin 1941. Damals wurde die Substanz aus
vier Tonnen Spinatblättern isoliert und nach dem
lateinischen Wort für Blatt folium benannt.
Die Folsäure spielt eine Schlüsselrolle bei
lebenswichtigen Vorgängen in unserem Körper. Sie ist für
alle Wachstums- und Entwicklungsprozesse wichtig, denn mit
ihrer Hilfe werden Bestandteile der Nucleinsäuren (das sind
die biologischen Informationsspeicher der Zellen)
hergestellt.
Folsäure greift an verschiedenen Schnittstellen des
biochemischen Metabolismus ein. Der wichtigste Angriffspunkt
ist das Homocystein (Hcy), eine schwefelhaltige Aminosäure,
die heute für ihre schädigende Wirkung an der
Innenauskleidung der arteriellen Gefäße bekannt ist.
Folsäure vermag das Homocystein wirkungsvoll abzusenken.
Folsäure zählt zu den "kritischen" Vitaminen, denn
auch in unseren Breitengraden ist eine unzureichende
Folsäurezufuhr mit der Nahrung sehr weit verbreitet. Nur
jeder vierte Deutsche nimmt nach Angaben der Deutschen
Gesellschaft für Ernährung genügend von dem Vitamin auf.
Frauen erreichen durchschnittlich gerade 71 Prozent der
empfohlenen Tagesdosis von 0,3 mg.
Männer nehmen durchschnittlich 88 Prozent auf.
In der Schwangerschaft ist der Bedarf doppelt so hoch. Hier
wird eine zusätzliche Folsäurezufuhr empfohlen. Im
Stoffwechsel wirken Folsäure und Vitamin B12 eng zusammen,
deshalb wird bei Folsäuremangel meist auch Vit. B12
verabreicht.
Folsäure ist in Lebensmitteln pflanzlichen und tierischen
Ursprungs enthalten. Besonders gute Folsäurelieferanten sind
jedoch grünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte, Brokkoli,
Weizenkeime, Nüsse, Vollkornprodukte, Fleisch, Leber, Milch
und Milchprodukte sowie Eier. Die Folsäure liegt in der
Nahrung zum Großteil (75%) in gebundener Form vor, welche
vom Körper nur schlecht resorbiert werden kann, so dass nur
40% der Folsäure einer Mischkost dem Körper zur Verfügung
stehen.
Die Folsäureverluste bei der Nahrungszubereitung betragen 60
- 95%, da Folsäure sehr empfindlich gegenüber Hitze und
Sauerstoff ist und aufgrund der guten Wasserlöslichkeit
leicht ins Kochwasser übergehen kann. Um die Verluste so
gering wie möglich zu halten, sollten lange Garzeiten und
häufiges Wiederaufwärmen von Speisen vermieden werden. Zum
Garen sollte nur wenig Flüssigkeit verwendet, bzw. das
Kochwasser weiterverwertet werden.
Zahlreiche Studien ergaben, dass eine ausreichende
Folsäurezufuhr zahlreiche Erkrankungen zu verhindern hilft
Verhütung von Neuralrohrdefekten
Seit der Erstbeschreibung durch Prof. Smithells, Leeds UK,
1980, wurde in sehr vielen Studien bewiesen, dass durch eine
erhöhte Zufuhr von Folsäure in der Zeit von 4 Wochen vor bis
8 (-12) Wochen nach der Befruchtung die Zahl von Kindern mit
Neurahlrohrdefekt wesentlich reduziert werden kann.
Verhütung anderer Missildungen, wie angeborene
Herzfehler, Lippen-Kiefer-Gaumenspalten («Hasenscharten»),
Fehlbildungen der Harnwege, Verschluss des Darmausganges,
Extremitäten-Missbildungen
Studien belegen, dass Missbildungen im Bereich des Abgangs
der großen Gefäße, durch Folsäure Supplementierung auf 35
bis 48% reduziert werden konnten. Die Trennwand zwischen
diesen Gefäßen entwickelt sich ebenfalls aus der
Neuralleiste.
Lippen-Kiefer-Gaumenspalten: Etwas weniger eindeutig ist die
Situation bei den LKG-Spalten (Hasenscharte; Wolfsrachen).
Mit hohen Folsäure-Dosen (10 mg) wurden schon früher
deutliche Reduktionen festgestellt. Mit der üblichen
Dosierung von 0,4 – 0,8 mg werden Gaumenspalten signifikant
vermindert, während für die gezielte Prophylaxe von
familiären Lippen-Kieferspalten wahrscheinlich höhere
Dosierungen gewählt werden müssen.
Fehlbildungen der ableitenden Harnwege werden auf Grund von
zwei Fall-Kontrollstudien in erstaunlich hoher Zahl
vermieden: Reduktion um 78 – 85 %!
Verschluss des Darmausgangs: Erstmals in der Chinastudie
wurde die Reduktion dieser Missbildung um ca. 40 %
beobachtet. Diese Frauen erhielten nur 0,4 mg Folsäure.
Verminderte Leukämiegefahr bei Kindern von Müttern,
die während der Schwangerschaft Folsäure zu sich genommen
haben.
In einer großen australischen Studie wurde nach möglichen
mütterlichen Einflussfaktoren auf die Entstehung einer
lymphatischen Leukämie im Kindesalter gesucht. Dabei wurde
festgestellt, dass Kinder von Müttern, die während der
Schwangerschaft Folsäure erhalten hatten, wesentlich
seltener an Leukämie erkrankten.
Vermindertes Risiko von Atherosklerose durch Senkung des
Homocysteins, z.B.
- ischämische Herzkrankheit: Koronarsklerose, Herzinfarkt
(Herzschlag)
- Carotis-Stenose, Hirninfarkt (Apoplexie/Schlaganfall)
- thrombo-embolische Krankheiten
Es steht fest, dass Homocystein, eine schwefelhaltige
Aminosäure, positiv mit Gefäßkrankheiten, d.h.
Arteriosklerose, Gefäßverschlüsse, vor allem der
Herzkranzgefässe, korreliert. Hohes Homocystein gilt deshalb
als Risikofaktor für Herz- und Gefäßerkrankungen. Ebenso
unbestritten ist die Tatsache, dass der Homocysteinspiegel
im Blut durch Folsäure reduziert werden kann. Bei einer
Folsäure-Aufnahme durch angereicherte Produkte von 0,35-0,4
mg geht man von einer Verminderung der koronaren
Herzkrankheit um ca. 10-12% aus. Angesichts der Häufigkeit
dieser Krankheiten ein beachtlicher Gewinn.
Verhütung einiger Krebsarten
Es liegen viele experimentelle Studien an Tieren und an
menschlichen Zelllinien vor, die eine günstige Wirkung von
Folsäure auf die Krebsentstehung aufdecken. Epidemiologische
Untersuchungen bestätigen diese theoretischen Erkenntnisse.
Die eindrucksvollsten Resultate liefert die amerikanische
«Nurses Health Study», bei der jene Frauen, die seit 15
Jahren ein Folsäurepräparat einnahmen 75 % weniger
Dickdarmkrebs aufwiesen.
Auch für Brustkrebs ergaben sich deutliche Reduktionsraten
von 45%. Ähnliche Ergebnisse liegen für Gebärmutterhalskrebs
vor.
Alzheimer-Krankheit, senile Demenz
Ein Zusammenhang zwischen dem Folsäure- und B12-Spiegel und
der Alzheimerkrankheit ist schon seit längerer Zeit
beobachtet worden. Außerdem wurde in einer sehr soliden
Untersuchung nachgewiesen, dass die Alzheimer-Krankheit,
bzw. Altersdemenz sehr stark mit dem Homocysteingehalt
zusammenhängt und dies schon Jahre vor Ausbruch der
Krankheit. Menschen mit einem erhöhten Homozysteinspiegel
haben ein doppelt so hohes Risiko, an Alzheimer zu
erkranken.
Literatur:
1. Alfthan G, Pekkanen J, Jauhiainen M et al: Relation of
serum homocysteine and ipoprotein(a) concentrations to
atherosclerotic disease in a prospective Finnish population
based study. Atherosclerosis 106 (1994) 9-19
2. Arnesen E, Refsum H, Bonaa KH et al: Serum total
homocysteine and coronary heart disease. Int J Epidemiol 24
(1995) 704-709
3. Evans RW, Shaten BJ, Hempel JD et al: Homocyst( e)ine and
risk of cardiovascular disease in the Multiple Risk Factor
Intervention Trial. Arterioscler Thromb Vasc Biol 17 (1997)
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4. Selhub J, Jaques PF, Bostom AG et al: Association between
plasma homocysteine concentrations and extracranial
carotid-artery stenosis. New Engl J Med 332 (1995) 286-291
5. Stampfer MJ, Malinow MR, Willett WC et al: A prospective
study of plasma homocyst(e)ine and risk of myocardial
infarction in US physicians. JAMA 268 (1992) 877-881
6. Wald NJ, Watt HC, Law MR et al: Homocysteine and ischemic
heart disease. Arch Intern Med 158 (1998) 862-867
Diese Information basiert auf verschiedenen
Veröffentlichungen. Für die Richtigkeit der Aussagen
übernehmen wir keine Haftung. Ferner sollte diese
Information nicht zur Behandlung von Erkrankungen genutzt
werden. Falls Sie Medikamente einnehmen oder in ärztlicher
Behandlung sind, sollten Sie vor der Einnahme jeglicher
Nahrungsergänzungsmittel Ihren Arzt zu Rate ziehen.
Die Anwendung von Nahrungsergänzungsmitteln bei Kindern
sollte in jedem Fall mit dem behandelnden Arzt abgestimmt
wer, da die meisten Studien mit Erwachsenen durchgeführt
werden und Verzehrsempfehlungen für Kinder sowie eventuelle
Nebenwirkungen nicht bekannt sind. |
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