| Apfelpektin
Schon die Großmutter rieb Äpfel für ihre Kinder, um deren
Verdauungsprobleme zu heilen.
Seit langer Zeit sind die günstigen physiologischen
Eigenschaften der Pektine beim Menschen untersucht und
bekannt. Die Apfel-Diät von Heisler (1803) und Moro (1929)
ist eine der am meisten bekannten Anwendungen der Pektine,
um Unpässlichkeiten des Verdauungsapparates zu heilen. Der
Ausspruch “an apple a day keeps the doctor away” (frei
übersetzt: Tut man Äpfel essen, kann man den Doktor
vergessen) wird auf den relativ hohen Pektingehalt der Äpfel
zurückgeführt.
Isolierte Pektine haben Einfluss auf folgende Faktoren:
- Cholesterin-, Lipoprotein- und
Gallensäure-Metabolismus
- Arteriosklerose
- Blutglukosespiegel nach kohlenhydratreicher Mahlzeit
(wichtig bei Diabetes Mellitus Typ II)
- Bindung von Schwermetallen und deren Radionukliden
- Gewichtsreduktion
- Verdauungsstörungen
- Blutgerinnung und Wundheilung
Wirkung von Pektin auf den Cholesterinspiegel
Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Pektin den
Blutcholesterinspiegel wesentlich senken kann. Die Verengung
der Blutgefäße durch Ansammlung von Ablagerungen ist Folge
eines hohen Blutcholesterinspiegels. Jedoch ist Cholesterin
ein Stoff, ohne den wir eigentlich gar nicht leben können.
Es gibt einen einfacheren Weg, den Cholesterinspiegel zu
senken – durch den Verzehr von Lebensmitteln, die einen
großen Anteil löslicher Ballaststoffe enthalten.
Pektin, von Natur aus hauptsächlich als Gelier- und
Verdickungsmittel bekannt, ist einer dieser löslichen
Ballaststoffe. Studien haben das große Potenzial von Pektin
zur Senkung des Cholesterinspiegels im Blut bestätigt.
Pektin wurde mit anderen löslichen Fasern bezüglich seiner
Fähigkeit, den Cholesterinspiegel zu senken, verglichen und
die Ergebnisse zeigen, dass seine Wirkung im Vergleich mit
Flohsamenfaser (Psyllium), Haferfaser und Guar am
effektivsten ist.
Pektin selbst ist beständig gegenüber den
Verdauungsvorgängen im menschlichen Körper, wird jedoch von
den Bakterien Aerobacillus, Lactobacillus, Micrococcus und
Enterococcus im Darm fast vollständig abgebaut. Die
Bakterien bilden Enzyme, die Pektin in kurzkettige
Fettsäuren (Essigsäure, Propionsäure, Buttersäure) sowie
Kohlendioxid abbauen. Die Abbauprodukte werden vom
menschlichen Körper aufgenommen, so dass das Pektin nur
gering abführend wirkt und das Wachstum der Bakterien in der
Darmflora anregt.
Ein zusätzlicher positiver Effekt ist die Abnahme der
gefährlichen Low Density Lipoproteine (LDL), denen
nachgesagt wird, dass sie das Cholesterin in die Arterien
transportieren und damit für Arteriosklerose verantwortlich
sind. Kombiniert war dieser Effekt mit einem leichten
Anstieg der günstigen High Density Lipoproteine, die das
Cholesterin aus den Arterien ausschleusen. Zusammen
reduzierte dies das LDL/HDL-Verhältnis, was angestrebt wird,
um hohe Cholesterinspiegel zu therapieren.
Gewichtsreduktion
Zur Gewichtsreduktion durch den löslichen Ballaststoff
Pektin führen mehrere Mechanismen.
Im Gegensatz zu neutralen Polysacchariden können Pektine ein
Gel oder gelartige Strukturen in den Verdauungsorganen
bilden. Die Gelbildung erschwert die Bildung von
Enzym-Substrat-Komplexen und damit den Abbau der
Nahrungsbestandteile in die resorbierbaren Substanzen. Die
Lebensmittelkomponenten wie Zucker, Fette, Säuren oder
Cholesterin werden gebunden, wodurch die Aufnahme reduziert
bzw. verzögert wird.
Die Dünndarm-Mucosa ist mit einer Flüssigkeitsschicht
bedeckt, deren Dicke durch Pektine erhöht wird (Flourie et
al. 1984). Auf diese Art wird der Kontakt zwischen den
Dünndarm-Verdauungsenzymen und den Nahrungsbestandteilen
reduziert, was sich in einer niedrigeren Konzentration
resorbierbarer Substanzen bemerkbar macht.
Die quellenden, löslichen Ballaststoffe verlangsamen die
Entleerung des Magens. Aber auch die Verweilzeit im Dünndarm
wird verlängert durch die erhöhte Viskosität der
Verdauungsflüssigkeit durch Pektine. Auf diese Weise wird
das Gefühl der Sättigung verlängert.
Durch Pektine wird die Aktivität der Pankreas-Enzyme
reduziert. Nach Isaksson (1982) und Dutta (1985) wird die
Amylaseaktivität um 10-40 %, die Lipaseaktivität um 40-80 %
und die Trypsinaktivität um 15-80 % reduziert. Ein anderer
Grund für die reduzierte Enzymaktivität beruht auf der
Bindung der Enzyme an die Hydrokolloide selbst.
Diese Effekte sind gemeinsam für die Gewichtsreduktion
verantwortlich, indem sie das Gefühl der Sättigung
verlängern, den Abbau der Nahrungsbestandteile in
resorbierbare Substanzen und die Resorption selbst
verringern.
Bindung und Ausscheidung von Schwermetallen und deren
Radionukliden
Eine spezielle Eigenschaft der Pektine ist ihre Fähigkeit,
Schwermetalle über einen Komplexbildungsmechanismus zu
binden. Dies ist möglich, da Pektine negativ geladene
Polyelektrolyte sind, die positiv geladene Schwermetallionen
binden können. Die Bindungsaffinität ist sehr hoch für Blei,
gefolgt von Barium, Cadmium und Strontium und nimmt ab zu
den Erdalkali- und Alkali-Ionen. Die Schwermetalle, werden
mit dem Urin ausgeschieden.
Literatur:
- Behall, K., Reiser, S. (1986), "Effects of Pectin on Human
Metabolism"; Chemistry and Function of Pectins (248-265),
Eds. M. L. Fishman, J. J. Jen, ACS Symposium Series;
American Chemical Society, Washington D.C., 1986
- Cerda, J.J., Robbins FL, Burgin CW, Baumgartner TG, Rice
RW (1988), "The effects of grapefruit pectin on patients at
risk for coronary heart disease without altering diet or
lifestyle";Clin. Cardiol, Heft 11 (589-594)
- Dutta, S., Hlasko, J. (1985), "Dietary fiber in pancreatic
disease: effect of high fiber on fat malabsorption in
pancreatic insuffiency and in vitro study on the interaction
of dietary fiber and pancreatic enzymes"; Am. J. Clin. Nutr.
41 (517-525)
- Endress, H.-U. (1991), "Nonfood Uses of Pectin"; The
Chemistry and Technology of Pectin (251-268), Academic
Press, Inc.; Ed. R.H. Walter
- Flourie, B., Vidon, N., Florent, C., Bernier, J.J. (1984),
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unstirred water layer thickness in normal man"; Gut 25
(936-941)
- Isaksson, G. (1982), "In vitro inhibition of pancreatic
enzyme activities by dietary fiber"; Digestion 24 (54-59)
- Schuderer, U., (1986), "Wirkung von Apfelpektin auf die
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- Schuderer, U., (1989 a), "Stoffwechselwirkungen von Pektin
in Form von Apfelpektin-Extrakt bei Probanden mit
Hypercholesterinämie"; Forschungs- und Entwicklungsprojekt
Teil I, unveröffentlicht
- Schuderer, U., (1989 b), "Wirkung von Pektin -in Form von
Apfelpektin-Extrakt- auf die postprandiale Serumglucose- und
Seruminsulinkonzentration bei Probanden mit Diabetes
mellitus Typ II"; Forschungs- und Entwicklungsprojekt Teil
II Diese Information basiert auf verschiedenen
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werden. Falls Sie Medikamente einnehmen oder in ärztlicher
Behandlung sind, sollten Sie vor der Einnahme jeglicher
Nahrungsergänzungsmittel Ihren Arzt zu Rate ziehen.
Die Anwendung von Nahrungsergänzungsmitteln bei Kindern
sollte in jedem Fall mit dem behandelnden Arzt abgestimmt
wer, da die meisten Studien mit Erwachsenen durchgeführt
werden und Verzehrsempfehlungen für Kinder sowie eventuelle
Nebenwirkungen nicht bekannt sind.
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