Die Sägepalme (lat. Serenoa repens, engl. saw palmetto) gehört zu der Familie der Palmengewächse und wird häufig auch als Sabal, Sägezahnpalme, Zwergpalme, Floridapalme oder Deichpalme bezeichnet. Sie ist in den Südstaaten der USA, in Süd-Carolina, Florida und Süd-Kalifornien beheimatet. Dort kommt sie in Küstennähe regelrecht in Kolonien vor. Aber auch in Teilen Mittel- und Südamerikas kann man sie antreffen. Die kleine Palmenart besitzt große fächerartig gezackte Blätter und eine Vielzahl tiefroter bis schwarzer Beeren. Bereits die Indianer Nordamerikas verwendeten die frischen und getrockneten Beeren als Naturheilmittel beispielsweise als allgemeines Tonikum zur Stärkung des Körpers und speziell der Harnwege.
Heute werden zu pharmakologischen Zwecken in erster Linie die getrockneten Früchte, die auch als Sabalfrucht oder Sägepalmenfrucht bezeichnet werden, genutzt. Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen zählen fettes Öl (Palmettoöl, orangerot gefärbt mit gesättigten und ungesättigten Fettsäuren), Flavonoide (Quercetin, Isoquercetin, Kämpferol, Rhoifolin), Phytosterole (Beta-Sitosterol, Sitosterol-Glucosid, Sitosterol-Fettsäureester, Campestrol, Stigmasterol, Cycloartenol), Triglyceride, Triterpene, Carotinoide, wasserlösliche Polysaccharide und ätherisches Öl. Die vielfältigen, wertvollen Inhaltsstoffe besitzen zahlreiche gesundheitsfördernde Wirkungen für den Menschen, wobei die wichtigsten und am besten untersuchtesten im folgenden Text näher erläutert werden.
Wie kann die Sägepalme im Körper wirken?
Wirkungen bei einer Prostatavergrößerung (Prostatahyperplasie):
Was ist eine Prostatavergrößerung? Die Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, ist eine kastaniengroße Drüse, die zu den inneren Geschlechtsorganen des Mannes gehört. Sie liegt zwischen der Blase und der Harnröhre und produziert ein Sekret, das den Samenfäden als Transport- und Aktivierungsmittel dient. Die Prostata umgibt den Anfangsteil der männlichen Harnröhre. Die gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie = BPH) tritt mit fortschreitendem Mannessalter häufig auf und beginnt meist zwischen dem 40.-50. Lebensjahr.
Im Falle einer gutartigen Prostatavergrößerung kommt es zu einer Zunahme der Zellzahl und der Drüsen, was zu einer Verengung der Harnröhre führen kann. Die Prostatahyperplasie unterliegt v. a. hormonellen (endokrinen) Regelfaktoren. Hierbei wird das Gleichgewicht in der Prostata zwischen den männlichen und weiblichen Hormonen, den Androgenen und Östrogenen, empfindlich gestört. Zum einen können die Östrogene überwiegen, dies ist eher seltener der Fall, dann kommt es zu einer "bindegewebigen Hyperplasie" der Prostata. Zum anderen können auch die Drüsenanteile der Vorsteherdrüse durch einen Testosteronüberschuss wachsen. Dieser Überschuss an männlichen Hormonen und vor allen Dingen an Dihydrotestosteron (DHT), das mit Hilfe des Enzyms 5-alpha-Reduktase aus Testosteron entsteht und eine stärkere androgene Wirkung besitzt als Testosteron, wird als Hauptursache für die Prostatahyperplasie und zusätzlich für hormonell bedingten Haarausfall v. a. bei Männern aber auch bei Frauen angesehen.
Bei erhöhten DHT-Spiegeln im Blut können so genannte Miktionsprobleme auftreten, d. h. Störungen beim Wasserlassen. Es treten hierbei Symptome auf wie häufiger Harndrang meistens auch nachts (Nykturie), Senkung der Restharnmenge, Erhöhung des Harnflusses, dünner Harnstrahl, Nachträufeln, Schmerzen beim Urinieren etc. Genau hier kann der Extrakt aus den Sägepalmbeeren regulierend und äußerst effektiv eingreifen und die Symptome einer Prostatavergrößerung (I., II. Grades: leichte bis mittelschwere BPH) deutlich lindern, wie zahlreiche placebokontrollierte Doppelblindstudien belegen konnten.
Zum anderen besitzt die Sabalfrucht (fettlöslicher Extrakt) eine regulierende Wirkung auf die männlichen Geschlechtshormone in der Prostata, indem sie das Enzym 5-alpha-Reduktase hemmt und damit den DHTSpiegel senken kann (antiandrogene Wirkung) und hierdurch das Risiko für eine weitere Vergrößerung teilweise vermieden werden bzw. als Prophylaxe eingenommen, einem übermäßigem Wachstum der Prostata möglicherweise sogar vorgebeugt werden kann. Zusätzlich hemmt der Pflanzenextrakt das Enzym Aromatase, das die Umwandlung zu Estradiol bewerkstelligt. Estradiol zählt zu den weiblichen Geschlechtshormonen, die u. a. die Prostata ebenfalls zum Wachstum anregt.
Darüber hinaus werden zwei weitere wichtige Enzymsysteme durch den Sägepalmextrakt gehemmt - die Cyclooxygenase und die Lipoxygenase - wodurch deutlich weniger Entzündungsstoffe (Prostaglandine, Leukotriene) gebildet werden, die wiederum für Schwellungen, Wassereinlagerungen, Rötungen und vor allem Entzündungen verantwortlich gemacht werden. Das bedeutet, dass die Extrakte der Sabalfrucht von zwei Seiten in das Krankheitsgeschehen der Prostatavergrößerung eingreifen: Zum einen auf der hormonellen (antiandrogenen) Seite zum anderen auf der entzündungshemmenden (antiinflammatorischen) Seite. Durch letzteres kann die Schwellung der Prostata verringert werden und der Flüssigkeitsaustritt aus den Blutgefäßen in das Prostatagewebe reduziert und somit auch der einengende Druck auf die Harnröhre und evtl. Schmerzen gemindert werden. Als Folge kann die Blase wieder leichter entleert werden, der ständige Harndrang nimmt ab und der Harnstrahl wird wieder stärker, die Restharnmenge nimmt ab und der nächtliche Gang zur Toilette wird deutlich seltener. Zusätzlich soll der pflanzliche Auszug auch die Blasenmuskulatur kräftigen.
Interessanterweise belegen viele Studien, dass der Extrakt der Sägepalme auch einem Vergleich hinsichtlich der Wirksamkeit mit chemischen Medikamenten zur Behandlung einer Prostatavergrößerung, den so genannten 5-alpha-Reduktase-Hemmern wie z. B. Proscar (Wirkstoff Finasterid) oder den Alpha-Rezeptorenblocker absolut stand halten kann. In mehrfacher Hinsicht ist der Sägepalmextrakt aber überlegen, da es sich um eine rein pflanzliche Substanz handelt, die viel besser verträglich und deutlich kostengünstiger ist und v. a. nicht die starken Nebenwirkungen besitzt wie die chemischen Alternativen, die häufig Potenzprobleme bis hin zur Impotenz verursachen können. Die Sabalfrucht lindert sehr deutlich Symptome ohne jedoch die Potenz zu beeinträchtigen, im Gegenteil die Indianer verwendeten die Sabalfrucht auch als Liebeselexier.
Wirkungen bei Prostatakrebs (Prostatakarzinom):
Auch bei Prostatakrebs bzw. zur Vorbeugung von Prostatakrebs werden dem Sägepalmextrakt günstige Einflüsse zugeschrieben. Wissenschaftler und Mediziner vermuten nach zahlreichen Erfolg versprechenden Studienergebnissen zu diesem Thema, dass durch mehrere Inhaltsstoffe und Wirkungsmechanismen der Sabalfrucht eine krebshemmende Wirkung zu Stande kommen könnte. Verantwortlich scheinen v. a. der hohe Gehalt an Phytosterolen/Pyhtosterinen zu sein, wobei in diesem Zusammenhang besonders das Beta- Sitosterol und die Sitosterol-Glykoside zu nennen sind sowie die Flavonoide und Carotinoide. Die Substanzen besitzen einerseits hormonähnliche Eigenschaften insbesondere die Phytosterole (= pflanzliche Fette, die zu den sekundären Pflanzenstoffen gehören) und starke immunstimuliernde Wirkungen (z. B. Steigerung der Funktion der Lymphozyten v. a. der T-Helferzellen) und ausgeprägte antioxidative Effekte (Radikalfänger). Daher wird die Sägepalme von Ärzten häufig als unterstützende Begleittherapie bei Patienten mit bösartiger Prostatavergrößerung eingesetzt. Patienten sollten allerdings bei Beschwerden der Prostata immer einen Arzt aufsuchen und mit ihm gemeinsam die individuelle Therapie besprechen.
Wirkungen bei Entzündungen der Prostata (Prostatitis), Nieren, Blase und bei Blasenkatarrhen:
Häufig entsteht die Prostatitis u. a. als Folge einer Vergrößerung der Prostata, da hierdurch die Blase nicht mehr richtig entleert werden kann und somit meist immer etwas Restharn in der Blase verbleibt. Infolge dessen können sich dort hervorragend Keime und Bakterien vermehren, die eine Prostataentzündung auslösen können. Da die Extrakte der Sägepalme, wie sehr viele klinische Studien an Patienten mit Prostatavergrößerung (BPH) zeigen konnten, die so genannte Restharnmenge entscheidend reduzieren bzw. zur vollständigen Entleerung der Blase beitragen, kann die Anzahl der Entzündungen dieses Organs deutlich gesenkt bzw. vermieden werden. Darüber hinaus wirkt der Pflanzenextrakt an sich bereits schon harntreibend, entzündungshemmend und schmerzlindernd, d. h. dass er auch bei Entzündungen der Harnwege, d. h. der Nieren, der Blase und bei Blasenkatarrhen eine begleitende Behandlungsmaßnahme darstellen kann.
Wirkungen bei hormonell bedingtem Haarausfall:
Für den hormonell bedingten Haarausfall, der deutlich häufiger bei Männern auftritt als bei Frauen, wird vor allem das Hormon DHT verantwortlich gemacht. Da der Sägepalmextrakt die Bildung des DHT hemmen kann (5-alpha-Reduktase-Hemmer) wird auch der DHT-Spiegel im Blut gesenkt. Ähnlich wirkende verschreibungspflichtige Anti-Haarausfall-Mittel wie "Propecia" sind jedoch weitaus schlechter verträglich und können zu Libidoverlusten und Impotenz führen. Die Sägepalme wirkt demgegenüber effektiv gegen die Glatzenbildung, ohne die Potenz negativ zu beeinflussen und stellt daher eine ausgezeichnete Alternative zu den üblichen Medikamenten dar.
Weitere Wirkungen der Sägepalme:
Auch in der Volksheilkunde überwiegt die Nutzung der Sägepalme zur Behandlung von Erkrankungen im Urogenitaltrakt (der Prostata, Nieren und der Blase). Darüber hinaus wird es auch bei Hodenentzündungen, Bettnässen, Brustdrüsenentzündungen, schmerzhafter Regelblutung und bei Ekzemen eingesetzt. Aufgrund der schleim- und krampflösenden Wirkungen werden die Früchte der Sägepalme auch als Schleimlöser bei Bronchitis und Katarrhen der Atemwege und als Beruhigungsmittel verwendet. Außerdem soll der Extrakt die Verdauung anregen. Auch aphrodisierende Eigenschaften werden den Sägepalmfrüchte nachgesagt. Die enthaltenen Beta-Sitosterole sollen zudem den Cholesterin- und den Blutzuckerspiegel senken bzw. normalisieren.
Die Anwendung von Nahrungsergänzungsmitteln bei Kindern sollte in jedem Fall mit dem behandelnden Arzt abgestimmt wer, da die meisten Studien mit Erwachsenen durchgeführt werden und Verzehrsempfehlungen für Kinder sowie eventuelle Nebenwirkungen nicht bekannt sind.






