• Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size
Home Nahrungsergänzung Forscher entdecken Zusammenhang zwischen Folsäurebedarf und Eierstockfunktion
Nahrungsergänzung

Forscher entdecken Zusammenhang zwischen Folsäurebedarf und Eierstockfunktion

E-Mail Drucken PDF

Genetische Veränderung offenbar mit verantwortlich für Fehlgeburten und Komplikationen in der Schwangerschaft

Jeder zweite Mitteleuropäer trägt eine genetische Veränderung, die zu einer zentralen enzymatischen Funktionseinschränkung führt. Der Basenausstausch 677C>T im Gen der Methylentetrahydrofolat-Reduktase (MTHFR) hat einen höheren Bedarf an Folsäure (Vitamin B9) zur Folge. Ohne eine ausreichende Vitaminversorgung besteht für betroffene Personen ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Betroffene Mütter haben offenbar auch ein höheres Risiko für Fehlgeburten und andere Komplikationen in der Schwangerschaft. Die Arbeitsgruppe um Professor Christian Thaler (Leiter des Hormon- und Kinderwunschzentrums an der Frauenklinik der LMU München - Camus Großhadern), und den Molekularbiologen Professor Peter Lohse (Institut für Klinische Chemie - Campus Großhadern) hat jetzt entdeckt, dass die MTHFR-677C>T-Mutation auch einen wichtigen Einfluss auf zentrale Funktionen der Eierstöcke hat.


In der neuesten Ausgabe von Fertility and Sterility (Vol. 91, No. 1, Januar 2009, p. 56-61), dem renomierten Journal der American Society for Reproductive Medicine, berichten Stefanie Hecht und Roman Pavlik von der Arbeitsgruppe Thaler von neuesten Untersuchungen an Patientinnen, bei denen im Rahmen der assistierten Fortpflanzung (in vitro-Fertilisation) eine Entnahme von Eizellen durchgeführt wurde. Bei diesem Eingriff werden quasi als Nebenprodukt auch die Flüssigkeit der Eibläschen (Follikelflüssigkeit) sowie hormonproduzierende Zellen der Eierstöcke (Granulosazellen) abgesaugt. Hecht und Pavlik konnten zeigen, dass die Östradiol-Produktion (weibliches Hormon) der Granulosazellen von MTHFR-677C>T-Trägerinnen deutlich vermindert war und dementsprechend auch die Follikelflüssigkeit dieser Frauen signifikant verminderte Östradiol-Konzentrationen zeigte.
Prof. Thaler: "Wir hatten bereits seit einiger Zeit bemerkt, dass Trägerinnen dieser MTHFR-Mutation im Rahmen der Kinderwunschbehandlung deutlich mehr Follikel-stimulierendes Hormon (FSH) benötigten, und dass diese Patientinnen trotz der höheren Dosierung eine geringere Zahl befruchtungsfähiger Eizellen und gleichzeitig eine geringere Östradiolproduktion aufwiesen." Diese Ergebnisse sind von hohem praktischem Interesse, denn es liegt nahe, dass die reduzierte Eierstocksfunktion der betroffenen Patientinnen möglicherweise durch eine optimierte Folsäuregabe zu bessern ist. Tatsächlich konnten zahlreiche andere Probleme und Risiken von MTHFR-677C>T-Mutationsträgerinnen durch eine entsprechende Vitaminbehandlung ausgeglichen werden.

Die Arbeitsgruppe um Thaler und Lohse hatte bereits im Jahre 2000 für Aufmerksamkeit gesorgt. Damals hatte sie berichtet, dass Trägerinnen der MTHFR-677C>T-Mutation deutlich seltener zweieiige Zwillinge zur Welt bringen. Thaler kommentiert diese Ergebnisse im Lichte der neuesten Daten: "Unsere damalige Beobachtung passt exakt zu den neuen Ergebnissen von Hecht und Pavlik. Ein reduziertes Ansprechen der Eierstöcke auf die Stimulation durch FSH kann sehr gut erklären, warum Frauen seltener gleichzeitig zwei Eibläschen ausreifen - und exakt dieser Vorgang ist die Voraussetzung für zweieiige Zwillinge!" Ganz in diese Überlegungen passen auch neuere Daten aus Schweden und Ungarn, wonach eine erhöhte Gabe von Folsäure offenbar auch die Zwillingshäufigkeit beeinflusst. Bei Müttern, die zu Beginn ihrer Schwangerschaft viel Folsäure zu sich genommen hatten, erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit für zweieiige Zwillinge signifikant.

Prof. Dr. med. Christian J. Thaler, www.kinderwunsch-uni-muenchen.de

 

Umfragen

Gehen sie zum Heilpraktiker?
 

Werbung


Schlagzeilen

Warum eine chronischen Helicobacter pylori-Infektion das Risiko für ein Magenkarzinom erhöht, war bislang nicht bekannt. Wissenschaftler vom Institut für Molekulare Krebsforschung der Uni Zürich haben jetzt nachgewiesen, dass Helicobacter pylori den Krebs direkt auslösen kann.

Die Infektion führt sowohl in menschlichen wie auch in tierischen Zellen zu Brüchen in beiden Strängen des Erbguts. Beim Befall mit dem Keim werden die Strangbrüche normalerweise erfolgreich repariert. Das funktioniert aber nur, wenn das Bakterium mit Antibiotika gehemmt bzw. abgetötet wird.

Lange andauernde Infektionen führen zur Erschöpfung der Reparaturfähigkeit der Zelle, haben die Forscher herausgefunden. Die gefährlichen Doppelstrangbrüche lassen sich dann entweder nicht mehr oder nur noch teilweise reparieren. Es kann in Folge zu genetischen Mutationen kommen, von denen letztlich einige zur Tumorbildung führen können.