Neurodermitis
Wer bekommt Neurodermitis?
Die Veranlagung auf verschiedenste Auslöser mit einem Ekzem
zu reagieren ist angeboren. Familien, in denen keines der
Mitglieder an allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen,
Asthma oder Neurodermitis leidet, bekommen mit einer
Wahrscheinlichkeit von 5-15 % Neurodermitis veranlagte
Kinder. Das Risiko nimmt zu, wenn eines oder beide
Elternteile allergisch disponiert sind. Wenn Vater und
Mutter Neurodermitis haben, besteht eine 60-80%ige
Wahrscheinlichkeit für das Kind, ebenfalls an diesem
chronischen Hautleiden zu erkranken.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die typischen Symptome zusammen mit einer positiven
Familienanamnese, also dem Auftreten von Neurodermitis bei
Familienmitgliedern, reicht meist schon aus, um die Diagnose
Neurodermitis zu stellen. Zusätzlich werden zur
Identifizierung von Allergenen, die möglicherweise einen
Neurodermitis-Schub auslösen können, Hauttests und
Blutuntersuchungen zur Bestimmung spezifischer
IgE-Antikörper durchgeführt.
Welche auslösenden Faktoren für die Neurodermitis sind
bekannt?
Eine Verschlechterung der Neurodermitis wird häufig im
Spätherbst und Winter beobachtet, vor allem bei
überwiegendem Aufenthalt in beheizten Räumen. Umgekehrt
können Klimaveränderungen sich positiv auf das
Krankheitsbild auswirken. Insbesondere der Aufenthalt im
Hochgebirge über 1500 Meter sowie Meeresklima führen häufig
zu deutlicher Besserung. Psychischer Stress aller Art löst
dagegen oft einen Schub aus bzw. trägt wesentlich dazu bei,
wenn die Hautveränderungen nicht abheilen. Das Gleiche gilt
für körperliche Belastungen wie allgemeine
Infektionskrankheiten, Operationen usw. Die empfindliche
Haut des Neurodermitikers reagiert auch auf Reizungen aller
Art mit einem Ekzemausbruch: so kann die Verwendung von
alkalischer Seife, häufiges Baden oder Duschen, häufiger
Schwimmbadbesuch sowie der Gebrauch von Putz-, Scheuer-,
Spül- oder Desinfektionsmitteln zur typischen Symptomatik
führen.
Eine besondere Bedeutung kommt natürlich den Allergenen zu,
die von Person zu Person unterschiedlich sind und im
Einzelfall identifiziert werden müssen. Das ist nicht immer
ganz einfach. Studien haben nämlich gezeigt, dass längst
nicht alle Patienten, die im Haut- oder Bluttest positiv auf
eine bestimmte Substanz reagierten, nach entsprechender
Provokation auch tatsächlich einen Ekzemausbruch erlebten.
Auf der anderen Seite konnte gezeigt werden, dass
Ekzem-Auslösende Allergene im Laufe der Zeit wechseln
können. So kommt es häufig vor, dass Kinder nach einiger
Zeit Nahrungsmittel tolerieren, die ursprünglich bei ihnen
einen Neurodermitis-Schub ausgelöst hatten. In einer
Placebo-Kontrollierten Doppelblindstudie der renommierten
Johns Hopkins University Medical School in Baltimore wurden
Patienten mit Neurodermitis und
Nahrungsmittelüberempfindlichkeit mit einer Eliminationsdiät
behandelt, d. h. die ekzemauslösenden
Nahrungsmittelbestandteile wurden weggelassen. Nach einem
Jahr erhielt ein Teil der Patienten wieder allergene Kost,
die zweite Gruppe erhielt dagegen eine Diät, die nur
scheinbar die allergieauslösenden Substanzen enthielt. Weder
Untersucher noch Patienten wussten, wer tatsächlich
provoziert wurde (daher Placebo-Kontrolliert, doppelblind).
Nach einem Jahr hatten 19 von 75 Patienten (also rund 25%)
ihre Nahrungsmittel-Überempfindlichkeit vollständig
verloren. Die ebenfalls durchgeführten Hauttests
korrespondierten nicht mit den klinischen Reaktionen, d. h.
auch wenn ein Nahrungsmittel nicht mehr zum Ekzemausbruch
führte, konnte der Hauttest trotzdem unverändert positiv
sein.
Die Forscher Sicherer und Sampson von der Mount Sinai School
of Medicine, New York, gehen in einem 1999 im Journal of
Allergy and Clinical Immunolgy veröffentlichten Artikel
sogar noch weiter: "Glücklicherweise", erklären sie,
"verschwinden die meisten Nahrungsmittelallergien (bereits)
in der frühen Kindheit, und Nahrungsmittelallergie ist keine
häufige Ursache für Atopische Dermatitis (= Neurodermitis)
bei älteren Kindern und Erwachsenen".
Was bedeutet das alles für den Neurodermitiker?
Zum einen heißt es, dass "einmal allergisch" nicht "immer
allergisch" bedeuten muss und man den einmal
Allergie-Auslösenden Nahrungsmitteln nach einiger Zeit eine
zweite Chance geben kann. Dabei ist zu bedenken, dass
Allergien gegenüber Eiern, Milch, Soja, Weizen und Erdnüssen
weniger als halb so häufig wieder verschwinden als solche
gegenüber anderen Nahrungsmitteln. Wenn aber der Genuss
bestimmter Substanzen immer wieder zum Ausbruch des Ekzems
führt, bleibt langfristig nur die Vermeidung der
entsprechenden Produkte. Das kann aber zu Mangelzuständen
führen wie eine Studie der Charité, die kürzlich in der
Zeitschrift "Hautarzt" erschien, zeigen konnte. Eine
Untersuchung von Schweizer Forschern ergab, dass
insbesondere Kalzium, Jod, Vitamin C und Omega-3-Fettsäuren
supplementiert werden sollten.
Kann der Krankheitsverlauf also durch
Nahrungsergänzungsmittel beeinflusst werden?
Ja. Es ist in jedem Fall wichtig den Körper mit allen
wichtigen Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen zu
versorgen. Wenn dies nicht möglich ist, sollte ein
hochwertiges Kombinationspräparat, das frei ist von
allergieauslösenden Zusatzstoffen, täglich eingenommen
werden.
Studien konnten zeigen, dass der Fettsäure-Stoffwechsel bei
Neurodermitikern gestört ist, was zu einem Mangel an
Gamma-Linolensäure führen kann. Diese ist vor allem in
Borretsch- und Nachtkerzenöl sowie im Kernöl der schwarzen
Johannisbeere enthalten und kann bei hoch dosierter Einnahme
das Ekzem verbessern und insbesondere den Juckreiz lindern.
Auch bei Verwendung von
Omega-3-Fettsäuren in hohen Dosen für längere Zeit
(12 Wochen) konnte in einer Doppelblindstudie eine
signifikante Verbesserung des Ekzems nachgewiesen werden.
Dies wurde auf die Reduktion des Leukotrien B4-Blutspiegels
zurückgeführt. Dabei handelt es sich um einen
entzündungsfördernden Botenstoff, der bei der Entstehung der
Neurodermitis eine Rolle spielen soll.
Die Verwendung probiotischer Kulturen kann sich ebenfalls
positiv auf die Neurodermitis auswirken. So wurde in einer
Untersuchung gezeigt, dass sich das Ekzem von gestillten
Säuglingen bereits nach einem Monat wesentlich verbessert
hatte, wenn die Mütter zweimal täglich Lactobacillus zu sich
nahmen. Diese Beobachtung wurde damit erklärt, dass
probiotische Kulturen die Verdauung verbessern, dem
Magen-Darm-Trakt die Kontrolle über die Aufnahme möglicher
Nahrungsmittelallergene erleichtern und die Immunantwort
beeinflussen.
Auch
Vitamin C in einer Dosierung von 50-75 mg pro kg
Körpergewicht und Tag reduzierte in einer Doppelblindstudie
nachweislich die Symptome bei Neurodermitis. Dies wurde auf
die bekannten positiven Wirkungen von Vitamin C auf das
Immunsystem zurückgeführt.
Italienische Forscher berichteten kürzlich in der
medizinischen Fachzeitschrift International Journal of
Dermatology über die Ergebnisse einer Untersuchung von 98
Neurodermitis-Patienten, die entweder
Vitamin E (400 I.E./Tag) oder ein Scheinmedikament
(Placebo) erhielten. Bei 14% der Probanden, die Vitamin E
erhielten, heilte das Ekzem vollständig ab, bei weiteren 46%
wurde eine wesentliche Verbesserung beobachtet und immerhin
noch 20% zeigten eine leichte Verbesserung. Bei keinem der
Patienten aus der Placebo-Gruppe kam es zur vollständigen
Heilung und bei nur einem dieser Patienten wurde eine
deutliche Besserung beobachtet. Die Forscher führten ihre
Beobachtungen darauf zurück, dass Vitamin E stark
antioxidative Eigenschaften hat, die Menge der
entzündungsfördernden Prostaglandine reduziert und vor allem
auch die bei Allergikern erhöhten IgE-Blutspiegel senkt.
Auch dies konnte in der Studie nachgewiesen werden: Im
Verlauf von 8 Monaten fiel in der Vitamin E-supplementierten
Gruppe der durchschnittliche IgE-Blutwert von 1005 I.U./ml
zu Beginn auf 490 I.U./ml am Ende der Untersuchung.
Zusammenfassung
Neurodermitis ist nicht heilbar. Es gibt aber eine Reihe von
Möglichkeiten, um den Verlauf positiv zu beeinflussen. Dazu
gehören:
- Vermeidung von Stress soweit möglich; Erlernen von
Entspannungstechniken.
- Möglichst selten baden, nur kurz duschen, Haut mit
Fettcremes pflegen; den Kontakt mit alkalischen Seifen sowie
aggressiven Putzmitteln meiden.
- Möglichst oft an die frische Luft gehen bzw. Zimmer häufig
lüften.
- Bekannte Allergene meiden.
- Bei Nahrungsmittelallergien mit
Multivitamin-Mineralstoff-Präparaten möglichen
Mangelzuständen vorbeugen. Durch tägliche Einnahme
probiotischer Kulturen den Magen-Darm-Trakt unterstützen.
- Zur Stärkung des Immunsystems auf regelmäßige Zufuhr von
Vitamin C achten.
- Um ein bestehendes Ekzem positiv zu beeinflussen sowie zur
Vorbeugung regelmäßig Omega-3-Fettsäuren und Vitamin E
einnehmen.
Wenn diese Maßnahmen konsequent durchgeführt werden, kann
die Häufigkeit und Heftigkeit der Ekzemausbrüche nachhaltig
reduziert werden.
Diese Information basiert auf verschiedenen
Veröffentlichungen. Für die Richtigkeit der Aussagen
übernehmen wir keine Haftung. Ferner sollte diese
Information nicht zur Behandlung von Erkrankungen genutzt
werden. Falls Sie Medikamente einnehmen oder in ärztlicher
Behandlung sind, sollten Sie vor der Einnahme jeglicher
Nahrungsergänzungsmittel Ihren Arzt zu Rate ziehen.
Die Anwendung von Nahrungsergänzungsmitteln bei Kindern
sollte in jedem Fall mit dem behandelnden Arzt abgestimmt
wer, da die meisten Studien mit Erwachsenen durchgeführt
werden und Verzehrsempfehlungen für Kinder sowie eventuelle
Nebenwirkungen nicht bekannt sind. |
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